Wanderung am Kaitersberg zur Kötztinger Hütte

Bayerwaldgipfelstürmer

Gerade angekommen und keinen Plan wo es hingehen soll?
Ein Gang in die nächste Tourist-Info liegt da nahe. In der Regel springt aber so gut wie nie mehr als der Verweis auf Prospekte und Wanderkarten dabei heraus. Besser ist es gleich jemanden zu fragen, der sich wirklich beim Thema Wandern im Bayerischen Wald und Böhmerwald auskennt. Die Bayerwaldgipfelstürmer sind da erste Adresse.

Links:
Homepage Bayerwaldgipfelstürmer
Gipfelliste Bayerischer Wald

Die Bayerwaldgipfelstürmer

Die Bayerwaldgipfelstürmer auf dem Falkenstein im Nationalpark Bayerischer Wald
Andi, Axel, Hias – Foto: Bayerwaldgipfelstürmer

Die Bayerwaldgipfelstürmer Matthias, Axel und Andi sind fast jede Minute in der Natur unterwegs.
Ob ich es mit meinen Fragen geschafft habe, dass  sie die schönsten Plätze der Region verraten und wertvolle Tipps zur Planung geben, könnt ihr im Interview mit ihnen nachlesen.

Zur Inspiration für alle empfehle ich die private Seite der Bayerwaldgipfelstürmer. Nach und nach werden hier so ziemlich alle Gipfel der gesamten Region erklommen, beschrieben und nach Möglichkeit mit downloadfähigen GPS-Daten versehen.

Lesen, Bilder schauen und sich verzaubern lassen.

 

Der Albrechtschachten im Zwieseler Winkel, Nationalpark Bayerischer Wald
Der Albrechtschachten – Foto: Paul Einhell

 

Interview

 

g-b: Bayerwaldgipfelstürmer. Der Name verrät, Ihr seid mehrere?

Matthias: Ja wir sind 3. Andi, Axel und ich

 

g-b: Wie kam es zur Seite Bayerwaldgipfelstuermer.de, bzw. für wen ist Eure Seite gemacht?

Klettern im Bayerischen Wald. Goldsteig, Rauchröhren
Die rauchröhren. Ein beliebtes Klettergebiet am Kaitersberg – Foto: Paul Einhell

Matthias: Ursprünglich war die Seite als eine Art Online-Fotobuch für uns selbst gedacht. Wir waren viel unterwegs und es sammelten sich zig Gigabyte an Fotos auf unseren Festplatten an. Wir wussten gleich, dass die irgendwann keiner mehr anschaut und wenn, dann weiß keiner mehr wo das war, was da war usw.

So kam der Gedanke über eine Homepage mit Tourenberichten jederzeit darauf zugreifen zu können und wieder mal nachlesen was wir schon erlebt haben.

Der Premium-Wanderweg Goldsteig
Der Goldsteig – Foto: Paul Einhell

Mit der Zeit hat sich dann ergeben, dass immer mehr andere Leute auch unsere Tourenberichte gelesen haben und wir viel positives Feedback erhalten haben. So wurde es dann ein Selbstläufer.
Wir haben uns ein Logo designen lassen und auch die Berichte versuchen wir etwas mehr als Wegbeschreibung zu formulieren.

Dennoch sind wir jetzt kein klassisches Tourenportal oder so. Grundsätzlich können unsere Berichte vielleicht helfen Interesse an verschiedenen Gegenden (wir sind ja nicht nur im Bayerischen Wald unterwegs) zu wecken und vielleicht auch etwas animieren einfach mal rauszugehen und etwas zu unternehmen.

 

g-b: Ihr wollt alle 1000-Meter-Gipfel im Bayerischen Wald zu unterschiedlichen Jahreszeiten beschreiben. Das ist eine Menge Arbeit. Wann werdet Ihr damit fertig sein?

Matthias: Im Grunde ist dieses Unterfangen nicht 100% realisierbar. Es gibt ein paar Gipfel die im Kerngebiet des Nationalparks liegen und daher auch nicht erreichbar sind. Teilweise müsste man sich auch durch einen weglosen Urwald kämpfen.
Wir haben auf alle Fälle noch ein paar Gipfel offen und es werden noch weitere Berichte folgen.

Andi: Alle 1000er würde ich nicht sagen, das würde den Rahmen sprengen, unser Gedanke war da eher die bekanntesten 1000er im Bayrischen Wald, und das sind ja eh um die 70.

 

Das Forsthaus Ödwies am Hirschenstein bei Sankt Englmar, Naturpark Bayerischer Wald
Ödwies – Foto: Paul Einhell

 

g-b: Bei gut 41 Gipfeln liefert Ihr auch gleich die GPS Daten mit. Wieso das und sind die anderen Gipfel ohne GPS weniger interessant?

Matthias: Wir nutzen seit ca. 3 Jahren selbst das Portal gpsies.com. Das hilft uns sehr gerade bei längeren Touren ein Gefühl dafür zu bekommen was uns erwartet. Vor allem die Länge und Höhenmeter oder auch das Wegenetz einer Tour sind da natürlich sehr wichtig damit wir uns entsprechend vorbereiten können. Ältere Tourenberichte haben noch keinen Link. Über so ein Portal wie GPSies kann jeder ganz einfach seine eigenen Abenteuer planen

Andi: Genau. Da wir jetzt auch seit zwei  bis drei Jahren selber mit GPS-Geräten unterwegs sind, werden wir in Zukunft alle Berichte damit versehen.

g-b: Der Kreuzfelsen hat sich mit nur 999 Metern eingeschlichen. Ein Indiz für weitere Bayerwald-Themen?

Matthias: Den einen Meter lassen wir noch gelten.  Nein Spaß, es sind noch weitere Orte oder Gipfel in den Berichten versteckt die nicht zu der „1000er Challenge“ gehören. Aber es stimmt, es gibt viele weitere Themen, der Bayerische Wald bietet definitiv mehr als nur die bekannten Gipfel Arber, Rachel, Lusen, Osser und Falkenstein. Es gibt viel zu entdecken.

Andi: Sicher haben es, wie Matthias schon sagt, niedrigere Gipfel genauso verdient sie zu besteigen, und man hat oft hier mehr Ruhe als auf den bekannten Gipfeln.

 

Der Hochficht in Oberösterreich
Im Winter erhöht sich die Chance die Alpen in Ihrer vollen Pracht zu sehen – Foto: Paul Einhell

 

g-b: Wie wichtig oder interessant ist die tschechische Seite für Euch?

Matthias: Für mich persönlich wird es immer interessanter. Nachdem ich die letzten Jahre viel auf der bayerischen Seite unterwegs war, schaue ich auch gerne mal auf die andere Seite. Hier kommt bestimmt auch noch mehr .

Andi: Wird auch für mich immer interessanter, da ich glaube, dass die tschechische Seite auch noch nicht so überlaufen ist.

 

g-b: Ist der Bayerische Wald und der Sumava Nationalpark für euch eins?

Matthias: Geologisch gesehen ist das alles eins. Aber unsere Generation ist noch mit dem Eisernen Vorhang aufgewachsen. Von daher ist die Grenze schon immer noch sehr präsent.

Axel: In den letzten Jahren hat sich einiges getan, doch leider gibt es immer noch sehr wenige grenzüberschreitende Wanderwege. Wir hoffen, dass sich dies mittelfristig ändern wird.

Andi: Ja. Da schließe ich mich Matthias an. Auch nach Jahrzehnten des eisernen Vorhangs fühle ich mich immer noch etwas komisch auf der anderen Seite.

 

Die Schachten im Nationalpark Bayerischer Waldfotografiert von Paul Einhell
Die Schachten im Herbst – Foto: Paul Einhell

 

g-b: Mittlerweile sind endlose Forststraßen-Kilometer in den Wald gehauen worden. Wie seht Ihr diese Entwickelung und in wie weit betrifft es den Wandergenuss.

Matthias: Forststraßen meiden wir soweit es geht. Gerade zu Fuß macht es da natürlich keinen Spaß. Da achten wir bei der Routenwahl schon sehr darauf.

Axel: Im Nationalpark wurden auch viele Forststraßen rückgebaut und die meisten Wege sind sehr ursprünglich. Lediglich zu den populären Zielen und bewirtschafteten Hütten sind durchgehend ausgebaute Wege vorhanden, aber auch diese sind weit vom Charakter einer Forststraße entfernt.

Andi: Klar ist, für den Wandergenuss ist es nicht schön, für den Mountainbiker umso mehr denke ich. Viele Straßen die ich noch aus früheren Zeiten kenne sind auch längst zugewachsen. Neue Straßen werden im Nationalpark in der Regel nicht mehr gebaut.

Matthias: Sieht man zB. auch an der schon länger geführten Diskussion was mit der Straße zum Gfällparkplatz (Ausgangspunkt für viele Rachel-Wanderungen) passieren soll.

 

g-b: Gerne werden nicht nur Mountainbiker, sondern vermehrt auch Wanderer auf diese langweiligen Schotterpisten gelenkt. Wie komme ich als Ortsunkundiger noch in den Genuss dieser Art von naturbelassenen Wegen?

Matthias: Als Ortsunkundiger wird das natürlich schwierig, da die (alten)Wege auch nicht mehr beschildert oder beschrieben werden. Teilweise wachsen diese Wege auch mit der Zeit weiter zu und sind somit noch schwerer zu finden.
Oft sind diese Wege dann auch komplett gesperrt oder nur in den Sommermonaten frei begehbar. Ohne GPS oder Kartenmaterial besteht hier definitiv auch die Gefahr sich zu verlaufen.

Andi: Die Nationalparkverwaltung versucht natürlich so viele Schutzzonen wie möglich zu schaffen. In den „freien“  Sommermonaten kann man dann dank moderner Technik auch einige der alten Wege wieder finden, die sich außerhalb der Kernzone befinden.

Axel: Hier können ja unsere GPS Touren weiterhelfen.

 

Der Mühlriegel im Naturpark Bayerischer Wald
Auf dem Mühlriegel – Foto: Paul Einhell

 

g-b: Gibt es überhaupt noch genügend Naturbelassenes im Woid.

Matthias: Ja sicher, da darf man dann aber nicht auf die zuvor genannten „Hauptgipfel“ gehen.
Eine gute Regel ist hier immer, je weiter man von der Straße bzw. Parkplatz oder einem Wirtshaus entfernt ist, umso ruhiger und schöner ist es

Andi: Aber sicher. Nur muss man da die Plätze wissen oder wie Matthias sagt, die Brotzeit selber mitnehmen, denn wo man einkehren kann ist oft Massentourismus. Man muss auch oft mal den Gipfel weg lassen und einfach die unbekannten Wege gehen, da wo sonst niemand unterwegs ist. Hier findet man oft noch wunderschöne Plätze, die man auf keinem Arber, Rachel oder Falkenstein findet.

 

g-b: Wenn Ihr einen Gipfel, der für das Besondere des Bayerischen Waldes steht, auswählen müsstet, welcher wäre es?

Matthias: Mein Favorit ist hier das Rachelkreuz etwas unterhalb vom kleinen Rachelgipfel.

Axel: Ich entscheide mich für den Plattenhauser zwischen Rachel und Lusen. Leider ist dieser nicht ganzjährig zugänglich. Informationen über Wegsperrungen gibt es auf der Homepage vom Nationalpark Bayerischer Wald.

http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/zu_gast/wegeservice.htm

Andi : Ganz klar der Große Falkenstein

 

Der Pfahl, eine geologische Besonderheit im Naturpark Bayerischer Wald
Der Pfahl bei Moosbach – Foto: Paul Einhell

g-b: Wie steht Ihr zum Tourismus in der Region. Zu wenig oder bereits zu viele Besucher?

Matthias: Tourismus ist natürlich sehr wichtig für diese Region keine Frage. Ob zu viel oder zu wenig kann ich nicht beurteilen. Im Grunde finde ich es schon gut, dass es Bereiche gibt wo eine entsprechende Infrastruktur für Massentourismus geschaffen wurde (zB. Arber, oder auch Geißkopf) und andere Plätze dafür etwas ruhiger sind. Auch am Rachel oder Lusen kann man ruhige Momente verbringen, kommt nur auf die Jahreszeit, Uhrzeit oder das Wetter an.

Andi: Grundsätzlich sehe ich das auch so wie Matthias, ohne Tourismus würde es den Bayrischen Wald in der Form nicht mehr geben. Man sollte hier nur den Mittelweg finden, und nicht zu viel auf den Massentourismus setzen, sonst geht der Charme des idyllischen Bayrischen Waldes verloren. Deswegen kommen ja auch die meisten Menschen hierher, um Ruhe zu finden.

 

g-b: Ist für Euch der Bayerische Wald nur eine ideale Trainingsregion für die Alpen?

Matthias: Sicher ist der Woid eine gute Trainingsregion, man bekommt zwar nicht die Höhenmeter zusammen und es gibt nicht so viel zum Kraxeln, aber man kann sich schon eine ordentliche Grundkondition erarbeiten. Die Leute haben auch nicht schlecht gestaunt, wie wir unsere 8000er Stiefel als Vorbereitung für die Aconcagua Expedition am Rachel und Lusen eingegangen haben.  

Aber der Woid ist für mich viel mehr, er ist meine Heimat!

Gerade seit ich aus beruflichen Gründen weggezogen bin, weiß ich das immer mehr zu schätzen und genieße jede freie Minute, die ich daheim unterwegs sein kann.

Andi: Nein! Ihn nur als Trainingsregion zu sehen, das hat unser Woid nicht verdient. Der Wald hat seinen besonderen Reiz, nicht um sonst wird er auch die grüne Lunge Europas genannt!

 

Der Naturpark Bayerischer Wald fotografiert von Paul Einhell
Blick ins Graflinger Tal – Foto: Paul Einhell

 

g-b: Der Region Bayerischer Wald fehlen die extremen Herausforderungen der Alpen. Ist das für Euch als fitte Bergsteiger und Kletterer (tut Ihr das?) nicht langweilig?

Matthias: (Kletterer sind wir nicht wirklich) Mir persönlich geht es ja weniger um extreme Herausforderungen. Mehr darum einfach draußen zu sein, sich ein wenig auszupowern, den Kopf wieder frei zu bekommen oder einfach auch mit Freunden was zu unternehmen.

Axel: Auch ich bin kein Kletterer und so extrem sind unsere Herausforderungen auch nicht. Langweilig wird es hier sicher nicht, ‚da Woid is schee‘ wie man bei uns sagt. Ganz egal wie oft man an der gleichen Stelle sitzt. Abschalten und die Natur genießen.

Andi: Mir geht es auch nicht nur um das Extreme. Sicher haben für mich als Bergläufer die Alpen einen größeren Reiz, aber auch im Bayrischen Wald kann man am Stück mal 600-700 Höhenmeter machen.

Nicht umsonst bin ich letztes Jahr den Großen Falkenstein 100x gegangen, davon einmal einen Marathon (5x rauf und runter, 44 KM, 3100 Höhenmeter in 6 Std). Also auch hier kann man Extremes leisten, wenn man will.

Dazu kommen hier jetzt auch die ganzen neuen Lauf-Events, wie der Ultra Trail Lamer Winkel oder der Arberland Ultra Trail. Nicht zu vergessen den Berglauf „Kine vom Kaitersberg“ dazu.

 

Der Naturpark Bayerischer wald fotografiert von Paul Einhell
So weit das Auge reicht – Foto: Paul Einhell

 

g-b: Beste Jahreszeit im Woid?

Matthias: Jede Jahreszeit, jedes Wetter und jede Uhrzeit.

Axel: Im Bayerwald ist immer Saison, egal ob in Laufschuhen, Schneeshuhen oder auf Tourenski. Wer Natur erleben will, der wird hier nicht enttäuscht.

Andi: Da haben wir alle drei die gleiche Meinung. Im Bayerwald und Böhmerwald ist immer Saison. Wer mehrere Sportarten hat, wird im Woid immer seine Freude haben, egal welche Jahreszeit.

 

g-b: Vielen Dank für die geduldige Beantwortung meiner Fragen und eine erfolgreiche Wander-Saison.