Mit dem Focus Jarifa am Hirschenstein

Verleih E-MTB im Test – Focus Jarifa

Es gibt viele Gründe ein E-Mountainbike auszuleihen. Bekommt man eine womöglich unbrauchbare Gurke angedreht, oder kann ein Leihbike sogar ein Eigenes ersetzen? Wir haben das Focus Jarifa 27,5 mit Impulse Antrieb für euch beim größten E-Bike Verleiher im Bayerischen Wald und Böhmerwald getestet.

Focus Jarifa von Ebike-Bayerischer-Wald.de

Mit dem E-Bike Focus Jarifa Impulse unterwegs im Bayerischen Wald
E-Bike Focus Jarifa Impulse 27,5 – Foto: Paul Einhell

Der Bayerische Wald ist vor allem eines, ein Mountainbike-Paradies. Und nachdem bereits die Verleihstationen für E-Mountainbikes zusammengefasst wurden liegt es nahe, sich eines einmal genauer anzusehen. Die Wahl fiel dabei auf das Focus Jarifa 27,5 mit Impulseantrieb, denn dieses Modell ist im Bayerischen Wald und Böhmerwald stark vertreten. Nicht weil es das Beste sein soll, sondern das angebotene Modell des größten  E-Bike Verleihers der Region ist. Folgende Fragen sollen geklärt werden.

  • Reicht der Akku für eine anspruchsvolle Mountainbike-Tour?
  • Ist die Ausstattung ausreichend für die Anforderungen?
  • Wird die Tour zum Kinderspiel?
  • Top oder Flop?
  • Pedelec oder E-Bike
  • Kauf oder Verleih?

Drei Testtage im Wald und auf dem Radweg

Zum Anfreunden am ersten Tag habe ich mir ein Teilstück der TransBayerwald, die nächstes Jahr eröffnet werden soll, ausgesucht. Forststraßen en masse und den Berg runter bestes Waldgelände. Start war Sankt Englmar und das Ziel der Bahnhof in Grafling. Tragepassage inbegriffen.
Tag 2 zur Erholung mit Fahrerwechsel. Getestet wurde der Regentalradweg von Viechtach nach Kötzting und über den Höllensteinsee zurück. Eine Flachetappe auf Brechsand und Asphalt.
Zum Abschluss ein Vergleichstest gegen 2 trainierte Sportler auf einem Teilstück der 1. Etappe des Bayerwald Cross. Vom Bahnhof Gotteszell nach Sankt Englmar und über den Pröller zurück nach Viechtach.

Reicht der Akku des Focus Jarifa 27,5?

Verschiedene E-Bikes im Bayerischen Wald
Such dir eins aus – Foto: Paul Einhell

Ganz klar ja. Zumindest für die meisten Mountainbiker. Am ersten Tag wurden 34 Kilometer mit 888 Höhenmetern zurückgelegt und am 3. Tag 41 Kilometer mit 966 Höhenmetern. Mit Pausen zum navigieren, diskutieren, kleiner Fotoschule mit Dieter Neumann und Brotzeit. waren wir zwischen 6 und 7 Stunden unterwegs. Die Unterstützungsstufe so gewählt, dass die Fahrt für Untrainierte  komfortabel war. Der Akku war in beiden Fällen noch fast zur Hälfte voll und das mit einem überladenen Pedelec. Schon letztes Jahr fiel der Impulse Antrieb im Test einer renommierten Fachzeitschrift durch enorme Reichweite positiv auf. 1700 Höhenmeter sollten somit drin sein. Wer mehr braucht muss unterwegs kurz nachladen, oder auf neue Akkus warten.

Ausstattung

Mit dem E-Bike Focus Jarifa Impulse unterwegs im Bayerischen Wald
Trotz fehlender Hinterradfederung im Gelände gut – Foto: Paul Einhell

Federgabel 100 mm und Hardtail, das ist ausreichend für ein Leih-E-Bike im Bayerischen Wald. Der Verlust meiner 120 mm am Heck fiel nicht negativ auf. Die Gabel ist OK, wenn auch nicht so komfortabel und feinfühlig wie meine teure Forke. Die Bremsen brachten 120 Kilogramm immer sicher ins Tal, was will man mehr. Das große Plus beim Focus Jarifa ist die Schiebehilfe, die aber in steilem Gelände zu schwach, langsam und somit unbrauchbar war. Am Lenker ist noch genug Platz für ein eigenes GPS-Gerät. Der Rahmen solide und schwer und somit ideal für den Einsatz als Leih-Rad.

Sportlicher Wert

Das Prinzip „der Langsamste bestimmt das Tempo“ hat sich nicht geändert.

Durch das E-Bike wird der Radsport deutlich ausgeweitet. Erstmals können untrainierte Fahrer mit Sportskanonen gemeinsam auf große Fahrt gehen. Wie der Test zeigte hat sich das Prinzip „der Langsamste bestimmt das Tempo“ nicht geändert, nur muss der Langsamste nicht mehr der Schwächste sein. Das gemeinsame und verbindende Naturerlebnis steht im Vordergrund.

Auch ein Pedelec kommt mal an seine Grenzen, aber in der Regel ist es der Fahrer der das Limit setzt. Bergauf  kann auch das Leih-E-Bike mehr als der normale Fahrer und so kommt der Punkt wo das Rad geschoben werden muss. Eine Abkürzung und zwischen dem Bahnhof und dir liegt eine unfahrbare Steintreppe. Hier und in steilem Gelände hilft die Schiebehilfe des Jafira nicht. Und wer behauptet mit einem E-MTB bringt man sich um den Stolz einen Gipfel aus eigener Kraft bezwungen zu haben, hat noch kein E-Bike die Treppe raufgetragen.

Am Ende des Tages leuchten tschechische Sportler genauso wie Normalos. Die Anstrengung ist deutlich spürbar, das Grauen vor dem nächsten Tag jedoch nicht. 

Zustand und Auswahl

Große Wahlmöglichkeiten gibt es nicht. So ist zwar die Anzahl der E-MTBs kein Thema, aber die Rahmengröße. Für große Fahrer ist der im Moment bei Ebike Bayerischer Wald angebotene Rahmen viel zu klein. Die Sitzposition ist ungewohnt gedrungen beim Treten, bergab entfällt aber dadurch für große Fahrer das Absenken der Sattelstütze, da die Füße immer sicher den Boden berühren.

Die Hinterradbremse in schlechtem Zustand, zeitweise Knackgeräusche aus dem Tretlager, stark abgefahrene Reifen. Das Leihrad kann seinen regen Einsatz nicht leugnen und auch nicht, wie Kunden das Rad behandeln.

Zur Fairness halber ist zu sagen:
Zu keiner Zeit trat das Gefühl einer mangelnden Sicherheit auf. E-Bike Bayerischer Wald, praktisch ein ein Mann Betrieb, bietet zudem Lieferung und Abholung an. Durch momentan 13 Stationen ist selbst das Abgeben an einer anderen Verleihstation in begrenztem Umfang möglich.
Dass ein Reifen zu spät gewechselt, oder der Antrieb knarzt ist nicht schön, aber dadurch zumindest verständlich. Der Umstand dass eine mittlere Rahmengröße für die meisten Kunden im Bayerischen Wald passt, ist für große Fahrer jedoch kein Trost, zumal ein großes Rad vorbestellt war.

E-Mountainbike leihen oder kaufen

Abfahrt nach Grandsberg im Bayerischen Wald
Abfahrt nach Grandsberg – Foto: Paul Einhell

Man muss schon viel fahren, damit sich ein eigenes E-Bike rentiert und auf Flachetappen ist ein auf 25 Km/h begrenztes Rad ziemlich langweilig. Behäbig wie ein 75-Jähriger wird langsam an der Kurbel gedreht und ständig meldet sich der Begrenzer. Somit fällt das klassische Pedelec (bis 25Km/h) auch für die tägliche Arbeit meiner Meinung nach aus. S-Pedelecs (bis 45 Km/h) dürfen vielerorts nicht in den Wald, warum auch immer. Zudem schreitet die Entwicklung noch rasant voran. So sind spezielle Schaltungen sowie Laufräder nur schwer erhältlich. Neue Akkus mit mehr Leistungsdichte müssen erst noch entwickelt werden. So werde zumindes ich noch des öfteren an einer Verleihstation anzutreffen sein.