D – Landkreis Freyung Grafenau

Forsthaus Breznik – Foto: Paul Einhell

Offizielle Internetseite des Landkreises.
GPS-Mountainbike Tourenportal.

Ganz weit hinten im Woid – stimmt heute für den Landkreis Freyung Grafenau zumindest politisch nicht mehr.  Heute ist hier alles EU und Grenzübrtritte von und nach Tschechien selbstverständlich. Touristisch konzentriert man sich auf die Gegend um den Nationalpark Bayerischer Wald und die namhaften Berge Rachel, Lusen und Dreisessel. Doch abseits davon ist hier da Woid am ehesten so, wie man ihn sich vorstellt.

Der Lusen, schönster Berg im Bayerischen Wald

Die Himmelsleiter zu Gipfel – Foto: Paul Einhell

Berühmt ist der Lusen für seine hochgelegenen Schachten (ehemalige Viehweiden) und dem ganz besonderen Aufstieg. Einzigartig im Bayerischen Wald und Böhmerwald macht ihn sein  Gipfel, der völlig frei von Vegetation  ist und nunmehr sein Innenleben zur Schau stellt. Der Aufstieg über den Sommerweg ist über eine Steintreppe, der sogenannten Himmelsleiter, wohl am schönsten. Kinder werden diese Wanderung lieben, besonders wenn man ihnen die Sage vom Goldschatz erzählt, welchen der Teufel unter den Steinblöcken versteckt hat.

Im Winter ist die ganzjährig bewirtschaftete Hütte Startpunkt einer langen Rodelbahn. (Betriebsurlaub zwischen den Saisonen)

Der Dreisessel, Bergsport auch für Fußlahme. Der Parkplatz ist nur wenige hundert Meter unterhalb des Gipfels. Vom bequemen Spaziergang auf dem Gipfelplateau bis zur Gradwanderung zum Dreiländereck, für jeden ist etwas dabei. Da hier am Dreisessel Käfer und Sturm sich die meisten Bäume geholt haben gibt es von hier eine sensationelle Fernsicht hinein nach Böhmen und zu den Alpen.

Ganz neu im Winter. Durch den abgebauten Schlepplift ist die ehemalige Skipiste allein den Ski-Tourengehern  vorbehalten.

Aufgegebener Ort

Bauernhaus an der Wolframslinde, Kötzting, Bayerischer Wald
Zahn der Zeit – Foto: Paul Einhell

Erwähnenswert ist auch Leopoldsreut. der Ort mit Deutschlands ehemalig höchstgelegener Schule (1108 meter). Da der Ort im Winter oft über Monate von der Außenwelt abgeschnitten war, keinen Strom und keine Druckwasserleitung hatte, wurde Leopoldsreut 1963 aufgegeben. Das Herz blutet bei vielen ehemaligen Bewohnern noch heute. Die gleichen Gründe, die für das Sterben des Ortes angeführt werden betrifft heute auch andere Orte, die unter Bewohnerschwund leiden.

Sehenswerte  Städte, schwer zu erreichen

Grössere Städte vor dem Grenzkamm sind Grafenau, Freyung und Waldkirchen. Bausünden der Vergangenheit lassen einen oft schaudern, so schrecklich ihr Anblick von weitem. Im Kern sind die Innenstädte jedoch noch immer pittoresk,  und oft die einzige Möglichkeit, nach der Tour noch etwas zum Essen zu bekommen.

Öffentlicher Nahverkehr ist nicht der Rede wert und für touristische Zwecke nur bedingt geeignet. Abgebaute Bahnverbindungen lassen eine Art Notversorgung des Landkreises mit der Bahn übrig. Igelbusse um den Nationalpark sind brauchbar, aber Radler haben abseits der Bahn Probleme. Am Wochenende Fährt die Ilztalbahn von Passau aus Ausflüger hinauf nach Freyung. Dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt ist einer privaten Initiative zu verdanken, die einen regelmäßigen Fahrplan anbietet.

Der Sommerweg am Lusen – Foto: Paul Einhell

Freyungs Stärke ist der Nationalpark Bayerischer Wald

Der ist auch wichtig für die Region, denn viel anderes wird hier unten im Woid leider nur spärlich präsentiert. Tierfreigehege, Aussichtsturm und Wandertouren im Nationalpark. Ein Informationsgebäude informieren die Besucher über Natur und die Arbeit im Nationalpark. So weit so gut. Fahrradfahrer müssen im Nationalpark auf ausgewiesenen Forststraßen bleiben.

Fazit

Natürlich wird im Landkreis Freyung Grafenau noch viel mehr als Nationalpark geboten. Langlauf, Ski-Alpin, 4 traumhaft gelegene Golfplätze im Umkreis von 35 Kilometer um Waldkirchen. Dutzende Mountainbike- und Fahrradtouren. Die einzige aktive Skisprungschanze im ganzen Woid.

Jedoch sind alle Aktivitäten ausserhalb des Nationalparks über den ganzen Landkreis verstreut. Die kleinen Orte   im letzten Eck Bayerns bieten oft  nicht einmal ein kleines Café.  Abseits des Nationalparks Bayerischer Wald kristallisiert sich  in sportlicher Hinsicht   kein touristisches Zentrum heraus. Hier kommen eher Individalisten auf Ihre Kosten, die Ruhe, Abgeschiedenheit und eine endlose Weite hinüber nach Oberösterreich und Tschechien schätzen. Die Zeit mitbringen und den ein oder anderen Kilometer Autofahrt nicht scheuen.

Skizentrum Mitterdorf – Foto:Paul Einhell

Für mich präsentiert sich der untere Bayerische Wald  als Schlußlicht beim touristischen Angebot. Urlaub für Familien mit Kindern, ein wenig Blasmusik, ein wenig barrierefrei und ein wenig langweilig. Ich denke der Veranstaltungskalender spricht Bände. Am 20.12.2016 gab es am Marktplatz eine Leberkäs Brotzeit als touristischen Veranstaltungshöhepunk und wenn ihr schon immer einmal im Urlaub schnell heiraten wolltet, seid ihr hier genau richtig.

Die Natur hingegen sagt für diese Infrastruktur tausendmal Danke. Danke,  dass der Landkreis Freyung Grafenau zwar politisch mitten in Europa, aber touristisch ganz am Rande liegt. Hier ist Urlaub am ehesten nachhaltig, Nicht alle schönen Flecken der Erde müssen für den Massentourismus optimiert werden.

-> Landkreis Straubing Bogen

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Der Outdoor-Blog für den Bayerischen Wald und Böhmerwald, kurz da Woid.