Die TransBayerwald 800 Kilometer durch den Wald

TransBayerwald oder Bayerwald-Cross

Alternativen zum Alpencross im Trailcheck – welche Mehrtages Mountainbiketour ist besser? Die neue TransBayerwald oder doch lieber der altbewährte Bayerwald-Cross?

Link zum Bayerwald-Cross
Link zur Transbayerwald (noch nicht online)

Alternative zum Alpencross – Brauchts das?

Blick in die Donauebene vom Regensburger Stein
Blick vom Regensburger Stein – Foto: Paul Einhell

Mittlerweile hat es sich auch bei vielen Flachlandtirolern rumgesprochen. Die Alpen  sind steinig, teils ausgesetzt und das Wetter manchmal tückisch. Zudem definiert sich Mountainbike-Spaß halt doch weniger über die Gefahr für Leib und Leben, als durch Wegbeschaffenheit und Höhenmeter. Und die gibt es auch zuhauf im Bayerischen Wald.

Warum also nicht mal eine Mehrtages-Tour abseits von Albrecht-Route und Via Claudia ausprobieren. Angebote gibt es genug. Zwei Alpencross-Alternativen werden hier vorgestellt. Der 4-tägige Bayerwald-Cross und die 800 Kilometer lange TransBayerwald.

Langer Singletrail vom Hirschenstein nach Bernried
Singletrail runter nach Bernried – Foto: Paul Einhell

Zur Gegenüberstellung dieser beiden Strecke haben wir uns nicht ohne Grund für die Gegend zwischen Sankt Englmar und Gotteszell entschieden. Hier am Hirschenstein werden seit neuestem Probleme zwischen Radlern und Mountainbikern herbeigeredet, die keiner so recht nachvollziehen kann. In diesem Gebiet ist die Streckenführung der TransBayerwald besonders interessant. Zudem wurde es in Verbindung mit der Waldbahn so möglich an einem Tag die TransBayerwald in Angriff zu nehmen, um anderntags auf der ersten Etappe des Bayerwald-Cross wieder zurück zu fahren. Der Bericht bezieht sich deshalb nur auf diesen Teilabschnitt, der aber für eine Urteilsbildung wohl ausreicht.

Begleitet und unterstützt hat mich, wie so oft, Dieter Neumann.

Bayerwald-Cross in 4 Tagen

Bereits seit  mehreren Jahren gibt es den Bayerwald Cross. Ausgetüftelt und jahrelang verbessert hat das Ganze Karen Widmann von Bayerwald-Bike aus Viechtach, die diese Strecke auch als geführte Tour anbietet – selbstverständlich mit komfortablen Gepäcktransport. Dass diese S1 bis S2 Strecke etwas besonderes ist, hat auch inzwischen eine namhafte Zeitschrift herausgefunden und diese Tour nebst GPS-Daten veröffentlicht. (Link siehe oben)

Singletrail Liebhaber werden vielleicht etwas die Nase rümpfen, da der Anteil diesbezüglich etwas höher sein könnte. Bergauf wird nämlich auch mal gerne eine Forststraße genommen, was aber auf einer 4-Tages Tour nur von Vorteil sein kann. Die Streckenführung ist recht klug gewählt und an dieser Stelle oft mit der Arberlandrunde Nr. 50 identisch.

Konsequent werden die Höhepunkte des Bayerischen- und des Böhmischen Waldes abgefahren. Das gilt nicht nur für die besonderen Aussichtspunkte wie den Regensburger Stein, sondern auch für die fahrtechnischen Schmankerl, die „da Woid“ für Mountainbiker bereithält. Einheimische erkennen das sofort, da beim Bayerwald-Cross selbst der Mühlgrabenweg eingebaut wurde, der allerdings dieses Mal von unten nach oben zu bewältigen ist.

Der Regensburger Stein im Naturpark Bayerischer Wald
Der Regensburger Stein – Foto: Paul Einhell

Natürlich darf auch der Gipfel vom Hirschenstein nicht fehlen. Dieser kleinen Abstecher sollte auf gar keinen Fall ausgelassen werden. Bergab nach Sankt Englmar geht es wieder auf einer Forststraße.

800 Kilometer TransBayerwald

Die Idee ist einfach. Vorbild ist der Premium Wanderweg Goldsteig, der sich von Marktredwitz in 2 Varianten durch den ganzen Bayerwald bis nach Passau schlägt. Da auch Mountainbiker den Goldsteig lieben, sollen auch sie ein spezielles Goldsteig-Pendant bekommen. Die Städte Furth im Wald und Passau sind jeweils durch eine Nord-  und Südroute verbunden, die größtenteils das bereits vorhandene Mountainbikenetz nutzen. Insgesamt 800 Kilometer gespickt mit unzähligen Anstiegen. Praktisch ein Alpencross im Bayerwald – so wird die TransBayerwald beworben. Ob das ganze projekt sinnvoll ist, habe ich bereits hier veröffentlicht.

Eines vorne weg. Auch wenn bereits jetzt im Netz die GPS Daten der TransBayerwald umherschwirren, sind diese Daten noch nicht zu 100 Prozent korrekt. Vermutlich am PC geplant, ist diese Strecke so noch nicht fahrbar. Manche Wege gibt es schlicht so nicht und etwas Sucherei ist nötig, um den richtigen Weg zu finden. Das wird aber bis zur Veröffentlichung, die bereits für 2016 geplant war abgestellt sein.

Downhill auf der TransBayerwald
Downhill nach Bernried – Foto: Paul Einhell

Los geht unsere Entdeckungstour in Sankt Englmar auf der Forststraße nahe dem Kletterwald  gen Hirschensteingipfel. Wie bereits erwähnt, sollte auch hier der kleine Abstecher zum Aussichtsturm nicht ausgelassen werden.  Höhepunkt auf diesem Abschnitt ist sicherlich die ewige lange Abfahrt über Grandsberg nach Bernried. Zum großen Teil führt dieser Abschnitt auf einem schmalen S1-S2 Singletrail, der wirklich wunderschön ist.

Kleine Kapelle im vorderen Bayerischen Wald
Kapelle am Arnetstein – Foto: Paul Einhell

Ab Bernried gehts es fast nur noch bergauf und über die Flanke des Vogelsang Richtung Fasslehen. Vorher muss aber noch bei Leithen recht umständlich die Staatsstraße überquert werden. Da an dieser Stelle Radweg und Staatsstraße getrennt sind, fehlt ein direkter Zugang für Radfahrer zum Kreuzungsbereich. Radfahrer werden dadurch für mehrere hundert Meter auf diese stark befahrene Straße gezwungen. Kleine Ursache, große Wirkung und nicht ungefährlich.

Traumhafte MTB-Trails im Graflinger Tal bei Deggendorf
Traumhafte MTB-Trails im Graflinger Tal – Foto: Paul Einhell

Auf und ab geht es weiter bevor die letzte lange Abfahrt über Forststraße und Asphalt ins Graflinger Tal ansteht. Wer denkt es sei geschafft hat sich geirrt. Der Ort Grafling liegt oben und das zieht sich.

Fazit

Von Dieter Neumann:

Epische Abfahrt ins Graflinger Tal
Letzte Abfahrt ins Graflinger Tal – Foto: Paul Einhell

Beide Touren zeigen durchaus ihre Reize und Schwierigkeitsgrade im Verlauf der Strecke. In den Tourenbeschreibungen sollte meiner Meinung nach schon im Vorfeld beschrieben sein, welche Schwierigkeitsgrade die Mountainbiker (m/w) erwarten. Dies ist bei den Arberland-Strecken sehr schön beschrieben. Die Beschreibung der Bayerwald-Cross-Strecke für diesen Bereich scheint mir schon schmeichelhaft. Der ungeübte Fahrer wird diese nicht als leicht bis mittelschwer empfinden.

Hilfreich wäre, wenn sich alle Strecken-Ausrichter zusammentäten und die jeweiligen Alternativen einbeziehen. Dazu sind einheitliche Beschilderungen in ausreichender Größe und Menge bereitzustellen. Ansonsten sind beide Touren insbesondere auch für E-Mountain-Bikes zu empfehlen.

Von Paul Einhell:

Ehrlich gesagt für mich gibt es keinen klaren Sieger. Beide Varianten sind eine gelungene Alpencross-Alternative. Ob eine Etappe auf dem Bayerwald Cross, der TransBayerwald oder soger auf einer der offiziellen Arberland- Touren – in Sachen Trailanteil gibt es keine großen Unterschiede. Da Woid ist überall schön und so sind auch die Aussichtspunkte nicht ausschlaggebend.

Der Teufelsmühlstein bei Grandsberg
Der Teufelsmühlstein – Foto: Paul Einhell

Zwischen Grafling und Sankt  Englmar ist vielleicht die Streckenführung des Bayerwald Cross einen Hauch besser, die Anstiege weniger heftig, dafür aber die Aussichten in die Donauebene der TransBayerwald häufiger. Auf der TransBayerwald sind die Anstiege auch schon mal so steil, dass auch ein E-Bike nicht weiterhilft. Hier ist schieben angesagt.

Fahrtechnisch sind beide Alpencross-Alternativen gleich und für die breite Masse fahrbar. Mehr Trailanteil gibt es nur für explizite Woidkenner, oder man fährt mit den Einheimischen.