Outdoor mit der Bahn

Outdoor ohne Auto

Für die meisten Menschen in der Stadt ist ein eigenes Auto   nicht mehr unbedingt erforderlich.  Kein Wunder, dass besonders der jungen Generation ein eigenes Fahrzeug oder sogar der Führerschein nicht mehr so wichtig ist. Doch wie schaut es mit  der Freizeitgestaltung aus? Ist man ohne Auto in der Stadt gefangen?

 Beiträge über Outdoor  ohne Auto

Platzanweisung bei der Radmitnahme der Bahn
Auch wo Rad draufsteht ist nicht immer Rad drin – Foto: Paul Einhell

Der Großteil des Freizeitverkehrs wird mit dem eigenen PKW abgewickelt. Wer kein eigenes Fahrzeug  besitzt und trotzdem die Stadt zum Wandern oder zu anderen Freizeitaktivitäten verlassen will hat fast nur eine Wahl – die Bahn. Unkompliziert und unabhängig geht es aus der Stadt. Sportgeräte nicht notwendig. Boote, Radl, Skier, Skates und vieles andere gibt es zu leihen. Auf Vielfalt muss also nicht verzichtet werden. Sogar das eigene Rad kann mitgenommen werden und das zum kleinen Preis.

Die Bahn ist nicht die Bahn

Schlau gemacht von der Deutschen Bahn, steht sie doch als Sammelbegriff für ein gesamtes Transportsystem. Und die Deutsche Bahn ist es auch, die eine ganze Branche in Verruf bringt. Kein Tag vergeht ohne Verspätungen, mangelnde Information und schlechten Service. Dabei gibt es auf vielen Strecken konkurrierende Bahnbetreiber, die Ihre Sache in mancher Hinsicht  besser machen. Auf den Nebenstrecken gibt es tatsächlich noch guten Service und Pünktlichkeit.

Auch nicht immer ist die Bahn langsam. Vom Münchner Hauptbahnhof bis zum Trail im Bayerischen Wald sind es gerade einmal    1 Stunde und 58 Minuten. Ganze 22 Minuten langsamer als mit dem Auto. Selbstverständlich beginnt der Trail direkt an der Bahnsteigkante. Kein Auto steht dann dort nutzlos rum   und die Tour muss nicht dort enden, wo sie begonnen hat. Bahnhöfe gibt es viel, Wege und Touren unendlich.

Auch Zum Kanufahren durch den  Gumpenrieder Schwall sind es vom Münchner Hauptbahnhof bis  ins Boot 2 Stunden 44 Minuten. Nürnberg nochmal 9 Minuten schneller. Das geht auch gut für einen Tagesausflug.

Der Gumpenrieder Schwall ist die Herausforderung im Sommer
Sammelbecken der Leichtmatrosen – Foto: Paul Einhell

Die Bahn – Nadelöhr ist der Radtransport

Überfüllte Züge sind unbequem und nervig. Ganz besonders wenn man keinen Sitzplatz ergattert hat. Aber man kommt wenigstens in den Zug. Ganz anders sieht das beim Fahrradtransport aus. Die Fahrradabteile sind, je nach Anbieter, sehr unterschiedlich in  der Größe und Ausstattung. Von einfachen Pferchabteilen mit beschwerlichem Zugang bis zum Einzelstellplatz mit Sicherheitsgurt ist so ziemlich alles dabei. Aber für alle gemeinsam gilt, sind die Stellplätze belegt bleibt das Rad draußen. Da bleibt einem nur das Warten auf die nächste Verbindung und das  ohne Gewähr.

Auch die Anordnung der Fahrradabteile im Zug ist jedes Mal anders. So taugt  das Zusteigen von Radlern für Außenstehende durchaus zur kurzweiligen Unterhaltung. Aber was wäre schon ein Bahnhof ohne hektisch herumrennende Bahnkunden. Vermutlich ein Flughafen.

Eine größere Gruppe Radfahrer kann die Bahn nicht befördern. Bei maximal 12 Stellplätzen  ist Schluss. Manchmal auch schon bei 6. Ich schätze, dass von München aus nicht mehr als maximal  50 Radfahrer pro Stunde in die Outdoorgebiete transportiert werden können. München hat 1,5 Millionen Einwohner. Das unterstreicht wohl am deutlichsten  wie sehr das System Bahn von der Politik abgewirtschaftet wurde.

Hier könnte sich das System Bahn noch deutlich verbessern, hat aber kein Interesse daran. Erst das Angebot und dann die Nachfrage. Was für die gesamte Wirtschaft gilt, gilt nicht für die Bahn. Diese wartet ab, bis nichts mehr geht. Im Hinblick auf die nötige Verkehrswende ein Desaster.

Warum mit der Bahn in den Bayerischen Wald und Böhmerwald

Viele Gründe gibt es die Alpen auch mit der Bahn zu meiden. Zum Beispiel sind sie von Nürnberg und von vielen anderen Städten aus  für einen Tagesausflug  einfach zu weit entfernt. In München sind die Alpen zwar zum Greifen nah, aber gerade im Nahbereich der Stadt die Gäste zahlreich und die Bahnkapazitäten für  Radfahrer  wenig.   Warten auf den nächsten Zug wegen erschöpfter Kapazität nicht unmöglich.

Der Cerne Jezero bei Spicak im Sumava Nationalpark
Der Schwarze See bei Spicak – Foto: Paul Einhell

Ideal deswegen der Bayerische Wald und Böhmerwald, der zeitlich noch gut erreichbar und auch nicht überlaufen ist. Von Deutschland aus ist die Region Bayerischer Wald  über Plattling im Süden und Schwandorf im Westen erreichbar. Diese Strecken  bedient im  Moment die  Deutsche Bahn. Ab diesen Drehkreuzen übernimmt meist die private Länderbahn mit Ihren Untermarken Alex, Oberpfalzbahn oder im Süden die  Waldbahn.

Fazit

  • Wer mit der Bahn zum Wandern, Radln oder Kanufahren will muss außer bei der Bequemlichkeit keine großen Abstriche machen.
  • Ein aufwändiger Fahrradtransport entfällt, wenn man sich vor Ort ein Radl leiht.
  • Bei mehreren Tagen Aufenthalt schafft die Bahn eine enorme Flexibilität bei der Tourenauswahl. Ich nutze sie mittlerweile regelmäßig im Urlaubsgebiet.

Fährt man mit der Waldbahn auf der neuen, alten Strecke durchs Regental merkt man sofort welches Potenzial in diesem alten Transportsystem steckt.  Schöne Landschaft, begeisterte und entspannte Urlauber. Selbst Pendler kommen aufgrund der bayerischen Topographie zwar hier langsam aber pünktlich an ihren Arbeitsplatz. Eine echte Bereicherung.

Einziges Problem, die Bahn und das gilt im Übrigen für den ganzen öffentlichen Nahverkehr, ist der Politik nichts wert. In deren Augen ein teurer und verzichtbarer Luxus der schon längst verkauft gehört. Beim jetzigen Zustand der Bahn  muss man  fragen, warum Deutschland überhaupt an einer Klimaschutzkonferenz teilnimmt.