Der Kaitersberg – Wandern immer wieder Sonntags

Von unten schaut er wie ein kleines Hügerl aus, der Kaitersberg. Und doch überrascht er auf überschaubaren Raum mit Bayerwald im Übermaß. Sorry Biker, nur für Wanderer.

Kaitersberg – Grafik: Paul Einhell

Anfahrt ca. von

Regensburg: 76 Km
Landshut: 115 Km
Nürnberg: 159 Km
Prag: 182 Km
München: 188 Km
Wien: 374 Km

Bahnhof in Kötzting

Entfernung Bahnhof Kötzting – Kötztinger Hütte ca. 8 Kilometer

Geradezu nieder schaut der Kaitersberg von unten aus, aber das täuscht. – Foto: Paul Einhell

Der Kaitersberg – Ein Wandertraum

Hoch ist er ja  nicht der Kaitersberg. Da rentiert sich eigentlich das Aufstehen nicht, denkt man sich, wenn der überschaubare, gezackte Hügel  so vor einem da liegt.  Und da „Kine“ braucht von unten nach oben auch  nur 32 Minuten.  Der ist allerdings top trainiert, um die 7,578 Kilometer  von Kötzting aus auf den Kaitersberg hinter sich zu bringen. Nach immerhin 586 Höhenmeter ist der Kreuzfelsen das Ziel beim  Berglauf Kine vom Kaitersberg, dem sportliche Aushängeschild der Stadt Kötzting erreicht. 600 Höhenmeter die sich für normale Wanderer ziehen, zumal der eigentliche Spaß hier am Kaitersberg dann gerade erst anfängt.

Traumhaftes Zellertal zwischen Kötzting und Arnbruck

Den Aufstieg abkürzen können wie immer die Autofahrer. Oberhalb Kötztings liegt Reitenberg mit einem kleinen Wanderparkplatz. Von hier sind es nur noch 250 Höhenmeter Aufstieg. Am anderen Ende des Kaitersberg liegt das Wintersportzentrum Eck-Riedelstein. Ab dem Parkplatz sind es hier zirka 300 Höhenmeter Aufstieg zum Riedelstein hoch über Arnbruck. Bahnreisenden bleibt somit  der schweißtreibende Aufstieg auf den Bergkamm von Bahnhof in Kötzting aus nicht erspart.

Die Wandertour Kaitersberg, vom Skizentrum Eck über den Riedelstein, Klettergebiet Rauchröhren bis zur Kötztinger Hütte habe ich bereits  beschrieben.

Der Kaitersberg – 100 Prozent Bayerwald

Oben am Kreuzfelsen angekommen geht der Spaß  erst richtig los – Foto: Paul Einhell

Wobei Berg trifft es nicht ganz. Der Kaitersberg ist ein perfekt symmetrischer langer schmaler Felsbrocken mit gut 1000 Metern Höhe. Auf beiden Seiten spürbare 600 Höhenmeter hoch und dazwischen 4 Kilometer genüssliches auf und ab. Wobei jedes erkennbare Auf ein eigener, stolzer Gipfel ist.

So beginnt der Kaitersberg bei Kötzting mit dem nicht ganz 1000 Metern hohen Kreuzfelsen. Perfekt in der Mitte die Kötztinger Hütte am Mittagsstein (1034 Meter). Danach  folgen im östlichen Drittel das Steinbühler Gesenke mit  dem eigentlichen Kaitersberggipfel (1044 Meter), Hoher Stein  Rauchröhren (1042 Meter) und zum Schluss 90 Meter höher, der Große Riedelstein mit 1132 Metern.

Die Rauchröhren. Durch den Spalt gehts nur mit einer Klettereinlage – Foto: Paul Einhell

Die Rauchröhren bieten 2 kurze Weg-Varianten. Entweder werden die Felsen auf der Zellertalseite umgangen, oder man entschließt sich für den direkten Weg durch den Spalt. Hier ist Klettern angesagt und der Weg durch und über die Felsen schmal. Der Abstieg durch den Spalt der Rauchröhren dürfte gerade bei nassem Wetter zur Herausforderung werden, sind die Stufen hier doch mehr als einen Meter auseinander.

Die 12 Tausender Tour – Foto: Paul Einhell

Angekommen am Riedelstein muss die Wanderung noch nicht zu Ende sein. Ambitionierte Wanderer versuchen sich an der 12-Tausender Tour, für die der Bayerische Wald Verein statt einem eigentlich 2 Tage veranschlagt. Auf der Homepage wird der komplette Weg bis zum Arber grob beschrieben. Im Moment fährt der letzte Bus von Bodenmais um 16.25 Uhr

Wegbeschaffenheit

Ein Wunder, dass die Berglauf Athleten  die bei einem Wettkampf hier starten bei dieser Anstrengung noch ein Auge für die Landschaft haben. Selbst sie beschreiben den Pfad nach oben als etwas einzigartiges. Ein Weg vorbei an der Räuber Heigl Höhle recht steil den Berg hinauf. Im oberen Teil kein breiter Weg mehr, sondern ein uriger Pfad über Stufen und Tritte. Dazwischen feinster Waldboden. Zumindest  am Kaitersberg ist die Wanderwelt in Hinsicht auf die Wegbeschaffenheit noch in Ordnung – Premiumwanderweg Goldsteig eben. Einen guten Eindruck von dieser Stelle vermittelt das Video von Thomas Koller.

Der Kaitersberg – Des Bikers Alptraum

Der verblockte Wanderpfad ist auch der Grund  warum es am Kaitersberg so gut wie keine Mountainbiker gibt. Das Bayerische Wegerecht erlaubt zwar das Befahren auf geeigneten Wegen, somit auch am Kaitersberg, nur es macht dort schlicht für die Meisten keinen Spaß. Ständiges Tragen, Schieben, Absteigen, wo ein paar Meter weiter an einem anderen Berg, Traum-Trails in Hülle und Fülle warten.  Da stellt sich sicher den Meisten die Sinnfrage.

Premium-Wanderweg Goldsteig am Kaitersberg

Showdown am Kaitersberg

Einen ersten großen Showdown am Kaitersberg gab es im Juni 1853, als der Räuber Michael Heigl   in seiner Höhle unterhalb des Kreuzfelsens gestellt und verhaftet wurde. So einen Auflauf  kann man  an sonnigen Wochenenden hier erwarten. Für Bayerwald-Verhältnisse  sind oft viele Wanderer unterwegs. Da kann es auf der Kötztinger Hütte schon einmal recht eng werden.  Infos zur Höhle und über Michale Heigl (1816-1857) gibt es natürlich auf Wikipedia.

Geschossen wird heutzutage am Kaitersberg allerdings nur noch zu besonderen Anlässen. Nämlich immer dann, wenn das Startsignal zu einem der diversen Bergauf-Veranstaltungen gegeben wird, oder gerade einmal ein Luchs… . Seis drum, in den letzten Jahren ist die Gegend von Kötzting bis hinüber zum großen Arber zum Berglaufparadies avanciert. Engagierte Sportler organisieren über das Jahr verteilt mehrere Laufveranstaltungen, die wohl zu den schönsten der Welt gehören. Nicht ohne Grund war der neu geschaffene Kaitersberg Trail, der sich mit dem Ultra Trail Lamer Winkel abwechselt, bereits nach 3 Stunden ausverkauft. Es hat sich herumgesprochen das Bayerwald Trails etwas besonderes sind. Die familiäre Atmosphäre und die professionelle Organisation leisten ein übriges daztu, dass diese kleinen Veranstaltungen auch von den besten Läufern Europas aufgesucht werden.

Die 12 Tausender Tour vom Kaitersberg zum Großen Arber ist legendär

Der Kaitersberg –  Fazit

Ein Wanderweg, der ausnahmslos allen Ansprüchen gerecht wird. Besonders schön, die Länge der Wanderung ist  gut anpassbar. Vom besseren Spaziergang bis zum 12 Tausender Gewaltmarsch ist alles machbar. Entlang des Weges fasziniert die bizarre ursprüngliche Landschaft und die Kletterer bei den Rauchröhren laden zum Verweilen ein. Selbst eine Hütte mit bester Aussicht kann der Kaitersberg bieten.

Tipp 1: Am Morgen als erster, läufst du vor dem Trubel.
Tipp 2: Mach Urlaub und geh unter der Woche.