Der Hochficht in Oberösterreich

Der Hochficht – anders Skifahren

Der Hochficht ist in Punkto Ski-Alpin der Platzhirsch am östlichen Ende des Bayerischen Waldes und Böhmerwaldes.
Hier demonstrieren uns unsere österreichischen Nachbarn nicht mehr als die Perfektion in Sachen Familien-Skigebiet.

Homepage:
Pistenplan:
Pistenkilometer:  20 (9 blau, 10 rot, 1 schwarz) lt. Betreiber
Jugendliche sind wirklich Kinder (bis 19 Jahre)
Kinder unter 10 zahlen nur einen symbolischen Betrag
Verbindung zum Nordischen Zentrum Böhmerwald (Ski-Langlauf)

Anfahrt ca. von:

Hochficht, Oberösterreich
Lage Skizentrum Hochficht – Grafik: Paul Einhell
  • Passau: 54 Km
  • Linz: 69 Km
  • Regensburg: 155 Km
  • Prag 203 Km
  • München: 226 Km
  • Wien: 253 Km
  • Nürnberg 261 Km
  • Öffentlicher Nahverkehr nur theoretisch möglich

Moderner 4-er Sessellift vor dem Zwieselberg
Moderner 4-er Sessellift vor dem Zwieselberg – Foto: Paul Einhell

 

Skifahren, aber wo?

Was ist das erste was einem zum Skifahren einfällt?
Alpen – Österreich – Mega Skischaukel – und Anton aus Tirol.
Mich wundert, dass die Österreicher es noch nicht geschafft haben, einen kompletten Alpencross mittels Ski… pardon Schiliftanlagen zu ermöglichen. Aber sind wir mal ehrlich. Die Konkurrenzsituation in den Alpen entfesselt geradezu den Ideenreichtum der etablierten Skiorte. Immer mehr, immer weiter und wenn der letzte Verbindungslift auch schon gebaut wurde, wird als Alleinstellungsmerkmal Lady Gaga eingeflogen. Das kostet.

Will man jetzt weder den Anton noch die Gaga, den „Hölle, Hölle“ singenden Rheinländer schon gleich gar nicht, bleibt fast nur noch der luxuriöse Schiurlaub im Traditionsgebiet – endlose Pulverhänge inclusive. Das kostet noch mehr.

Blick in die Alpen - Foto: Paul Einhell
Blick in die Alpen – Foto: Paul Einhell

 

Interessante Alternativen

Der Schifahrer schmäht das Mittelgebirge wie der Teufel das Weihwasser – zu Unrecht finde ich und ich fahre seit meinem 3. Lebensjahr und ich liebe Mittelgebirgshänge inzwischen.
Für viele wäre das Mittelgebirge gerade recht, aber das Image passt halt nicht. Denn ein echter Münchner aus Bottrop fährt nichts, was nicht in den Alpen liegt und unterhalb 2 Stunden Stau zu erreichen ist.

 

Lieber fürs Kandahar 2 Stunden gebraucht  und ein Heulkrampf nebst Schockstarre auf der Valuga, als peu à peu den Anspruch gesteigert und in Rekordzeit die Technik auf Vordermann gebracht.

Den Tagespass in den Alpen ausnutzen und alle Pisten abfahren, das trifft in der Realität auf weniger als zwei Drittel aller Brettlfans zu. Viele geben sich diesbezüglich einer teuren Illusion hin.

Dabei gibt es wirkliche Alternativen, wie zum Beispiel den Hochficht. Österreich ja, aber nicht Tirol. Und sogar mautfrei!!!

Die Österreicher wissen wies geht

Schigebiete können sie bauen, die Österreicher. Und sie können nicht nur höher, weiter, schneller, sondern auch perfekt in Familienschigebiet zu bezahlbaren Preisen.
Im Österreichischen Böhmerwald (Oberösterreich) direkt in der 3-Länder Region Tschechien, Österreich und Deutschland am östlichen Ende des Böhmerwaldes wurde ein wunderbares Schigebiet gebaut, das keine Wünsche offenlässt.

Die Anlagen perfekt angeordnet und harmonisch in die riesige Waldfläche gebaut, vermittelt der Hochficht einen komplett anderen Schieindruck als der Arber, oder die Alpen. Dabei wurde meineserachtens sehr sorgfältig mit der Abholzung umgegangen. Es sieht aus, als sei kein Baum zu viel gefällt worden, wenn man das so überhaupt über ein künstliches Schigebiet sagen kann. In Übersee könnte es nicht anders aussehen.

Die Pisten und Anlagen klug angeordnet, werden hier über 20 Kilometer feinste Abfahrten auf 3 Bergen präpariert. Inclusive zweier Skirouten (unpräpariert).
20 Kilometer bedeutet mehr als 6 mal die Streif in Kitzbühel runter.
Bist du ein mittelmäßiger Schifahrer oder ein sehr guter mit Anspruch aber durchschnittlicher Kondition, reicht das locker um keine Piste 2 mal pro Tag fahren zu müssen.

Der Frauen Traum. Sogar die WC-Türen sind berührungslos. Das Tüpfelchen auf dem i. Unterstreicht einfach, dass hier wirklich an alles gedacht wurde.

Jetzt kommts aber

Das war aber noch nicht alles, was der Hochficht zu bieten hat. Auch Nicht-Schifahrer können mitkommen, denn die Betonung liegt auf Familien-Schigebiet.
Der Klein-Kinderbereich ist bestens platziert. Kaum 15 Meter trennen ihn vom Cafe. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass hier dankenswerter Weise auf übertriebene Plastikzwerge und Indianertippis verzichtet wurde. Es geht ja zum Schifahren und Kindern sind solche Witzfiguren eh nach 2 Minuten wurscht.

Hochficht Kids Park- Foto: Paul Einhell
Hochficht Kids Park- Foto: Paul Einhell

Die Oma wird vor der Kasse abgeliefert und dann gehts nur einen Stock im Innern nach oben in den Restaurant und Spielbereich. Durch riesige Panoramascheiben kann sie jetzt den Enkeln beim Schikurs zuschauen, Dank gratis W-LAN Videos nach Hause schicken und das ohne dass ihr der Willi in der Hand gefriert. Die kann man dann problemlos auch mal 3 Stunden alleine lassen.

Für die etwas besseren kleinen  Schifahrer gibt es  ein überdachtes Förderband mit leichter Piste, aber dafür muss man schon etwas höher auf den Rehberg hinauf.

Kinder, Kinder

Sind die lieben Kleinen nicht mehr ganz so klein,  gibt es im Schigebiet verteilt diverse Wellenbahnen nebst Steilkurven. Selbstverständlich mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden, so dass auch Jugendliche die Herausforderung geboten bekommen, die sie sich wünschen.  Den Fun-Park mit Hindernissen wie Geländern und Röhren zum drüberrutschen brauch ich gar nicht erst extra erwänen. Auf der Homepage gibt es Bilder dazu.

Der Hochficht Talstation - Foto: Paul Einhell
Der Hochficht im Winter – Foto: Paul Einhell

Bezahlbar

Die Preisgestaltung ist tatsächlich einmal so, wie Familientauglichkeit aussehen sollte.
Kinder bis 10 zahlen eher einen symbolischen Betrag und auch Jugendliche sind Kinder (bis 19).
Da ich in der Regel nie über Preise spreche, bitte ich auf der Homepage des Schigebietes selbst nachzuschauen.
Besonders gefallen hat mir auch, dass oberösterreichische Schüler unterstützt werden und auf Antrag kostenlose Skipässe für alle erhalten, damit auch in Zukunft im Schi-Weltcup 9 Österreicher unter den ersten 5 sind.  Alles andere wäre ja eine nationale Schande. So schaut Jugendförderung aus. Vorbildlich.

 

Fazit:

Ganz klar, das Skizentrum Hochficht  ist die Nummer eins im Bayerischen Wald und Böhmerwald. Da kann auch der Arber nicht mithalten. Familien bekommen keine Mogelpackung, sondern besten Pistenspaß für alle Familienmitglieder. Idealer Trainingsplatz auch für Vereine.
Kleiner Wermuthstropfen. Der Hochficht ist gerade deswegen kein Geheimtipp. Am Wochenende kann es sicher auch voll werden. Aber der 110 prozentige Zauber dieses Schigebietes offenbart sich eh erst an einem sonnigen Tag unter der Woche. Der Hochficht ist es einfach wert einen oder mehrere Tage Urlaub zu nehmen. Einfach anders Schifahren halt.