Auf dem Goldsteig über den Kaitersberg

Der Goldsteig – Abschnitt Kaitersberg

Eigentlich durch Zufall und nicht durch Wissen oder Recherche bin ich auf den Höhenweg am Kaitersberg, einen Abschnitt des bekannten Prädikats-Wanderweg Goldsteig gestoßen, der 2007 eröffnet wurde. Ab dem Großen Riedelstein ist dies ein traumhafter Wanderweg. Immer auf und ab bis zur Kötztinger Hütte mit traumhaften Blicken ins Zellertal und in den Lamer Winkel.

Diese Goldsteig-Wanderung führt vom Parkplatz des Skigebietes Eck-Riedelstein über den Kleinen- und Großen Riedelstein via Kaitersberg und Klettergebiet Rauchröhren zur Kötztinger Hütte und zurück.

Ski Eck - Grafik: Paul Einhell
Der Kaitersberg – Grafik: Paul Einhell

Anfahrt ca. von

Regensburg: 94 Km
Landshut: 116 Km
Prag: 179 Km
Nürnberg: 180 Km
München: 188 Km
Wien: 342 Km

 

Offizielle Homepage
Homepage Kötztinger Hütte (keine Übernachtungen)
GPX-Track zum Download

A wengerl ein Forstweg muss schon sein

Irgendwie hab ich das Gefühl, dass im Bayerischen Wald fast keine Wanderung ohne Forststraßen auskommt. Gut im Naturpark Bayerischer Wald handelt es sich nicht um naturbelassenen Urwald, sondern um einen so genannten Kulturwald, der wirtschaftlich genutzt wird. Und irgendwie müssen die Waldmaschinen in den Wald und Bäume aus dem Wald kommen. Wirtschaftlich rentabel nur durch den Schrecken aller Wanderer und Mountainbiker – den berüchtigten Forstautobahnen.
Das einzig Gute daran. Auf diese Weise wird der Höhenunterschied von knapp 300 Höhenmeter auf den Großen Riedelstein schnell und unkompliziert überwunden.

Der Riedelstein

Zur Belohnung gibt es kurz vor dem Gipfel einen herrlichen Aussichtspunkt. Dieser Aussichtspunk gleichbedeutend mit dem Kleinen Riedelstein liegt etwas links vom Goldsteig, ist hervorragend ausgeschildert und eröffnet nach ein kleinwenig Kraxelei einen ersten Überblick über das Zellertal bis hinüber zum Viechtacher Kessel. Nach kurzer Rast sind es dann nur ein paar Meter bis zum 1132 Meter hohen Großen Riedelstein mit seinem Waldschmidt Denkmal.

Über 100 Jahre Tourismusarbeit

Das Waldschmidt Denkmal auf dem Großen Riedelstein - Foto: Paul Einhell
Das Waldschmidt Denkmal auf dem Großen Riedelstein – Foto: Paul Einhell

Dieses Waldschmidt Denkmal ist dem Heimat-Dichter Maximilian Schmidt (1832-1919) gewidmet. Schmidt war unter Anderem Initiator des ersten Oktoberfesttrachtenzug im Jahre 1895. Für sein Lebenswerk erhielt er von Prinzregent Luitpold den erblichen Titel „genannt Waldschmidt“
Findige Arnbrucker Bürger kamen 1909 auf die Idee, mit einem Denkmal auf das Zellertal aufmerksam zu machen. Geholfen hat es nicht viel, denn auch nach über hundert Jahren versuchen die Zellertaler das noch immer vergeblich.

Ganz neu der Skywalk

Der Skywalk über Arnbruck - Foto: Paul Einhell
Der Skywalk über Arnbruck – Foto: Paul Einhell

Die neueste Idee ist die Skywalk genannte Aussichtsplattform ein paar Meter unterhalb des Ecker Sattels. Also nicht direkt an dieser wanderung. Toll und teuer und sicher einen kleinen Abstecher Wert. Das Gebiet wäre ebenfalls prädestiniert für einen Mountainbike-Flow Trail, der wahrscheinlich nur einen Bruchteil des Skywalks gekostet hätte.

Jetzt gehts aber los hier

Ab dem Großen Riedelstein ist der Goldsteig wirklich traumhaft und führt immer auf dem Bergrücken entlang. Mal rauf, mal runter. Typisch fürs Wandern im Bayerischen Wald und Böhmerwald. Mal auf die Zellertaler Seite, mal auf die andere Seite mit herrlichem Blick in den Lamer Winkel und auf die Nato-Türme am Horizont.

Manchmal braucht es eben ein paar Hände - Foto Paul Einhell
Manchmal braucht es eben ein paar Hände – Foto Paul Einhell

Samtiger Waldboden im Wechsel mit griffigem, rundem Fels. Das ein oder andere Mal können auch die Hände hilfreich sein.
Trittsicher sollten die Wanderer schon sein, denn jeder Schritt sollte auf diesem Untergrund genau bedacht werden. Mir ist es schleierhaft wie auf diesem Weg das Goldsteig Ultrarace über 611 Kilometer, 19.000 Höhenmeter in 8 Tagen abgehalten werden kann, ohne dass die Knöchel zu Schaden kommen. Aber anscheinend geht das, wenn man nur fleißig genug trainiert.

Klettergebiet Rauchröhren

Warum für diese kurze Wanderung 4-5 Stunden und mehr gebraucht werden liegt auf der Hand. Es gibt viel zu viel zu sehen. So folgt schon nach weiteren 20 Minuten der nächste Stop – die Rauchröhren. Eines der beliebtesten und vielfältigsten Klettergebiete im Bayerischen Wald. Diese bizarren Felsformationen und die imposanten Verrenkungen der Klettersportler machen es einem unmöglich hier einfach ohne Halt vorbeizugehen, auch wenn das Ziel, die Kötztinger Hütte nicht mehr weit ist.

Dutzende Routen können dort vom 3. – bis zum 11. Grad geklettert werden.

Die Kötztinger Hütte in Sichtweite – Fast geschafft

Die Sonnenterrasse der Kötztinger Hütte ist zum Greifen nahe - Foto: Paul Einhell
Die Sonnenterrasse der Kötztinger Hütte ist zum Greifen nahe – Foto: Paul Einhell

Unerwartet taucht sie am gegenüber liegenden Gipfel des Mittagstein auf. Die Kötztinger Hütte, unser Ziel, zum Greifen nahe. Den Indianerfelsen schnell noch fotografiert geht es dann in wenigen Minuten zur einladenden Sonnenterasse der Kötztinger Hütte.

Keine Angst vor dem Rückweg

Pfeif auf Mount Rushmore. Unsere Häuptlinge sind echt - Foto: Paul Einhell
Pfeif auf Mount Rushmore. Unsere Häuptlinge sind echt – Foto: Paul Einhell

Diese Wanderung ist so abwechslungsreich und der Weg so kurzweilig, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Niemals hat man das Gefühl, dass 5 Stunden Wandern lang sind. Die Zeit verrennt geradezu. Überall gibt es was zu sehen und zu bestaunen. Selbstredend dass auf dem Kaitersberg mehrere Wanderer unterwegs sind. Recht viel mehr dürften es nicht mehr werden, denn dann könnte ich ja gleich in den Alpen wandern und mich mit hunderten anderer Frischluftfreaks um ein Plätzchen auf der Alm streiten.
Ich behaupte immer, dass der Bayerische Wald und der Sumava Nationalpark die erste Adresse für menschenleere Natur und Einsamkeit ist. Hier am Kaitersberg trifft das nicht unbedingt zu. Vielleicht lag es daran, dass wir ausgerechnet am Vatertag bei bestem Wanderwetter unterwegs waren, aber vielleicht auch daran, dass dieser Abschnitt des Goldsteigs hier am Kaitersberg wirklich unvergleichlich schön ist.